Lernziele und Prüfungszusammenstellung

Die Validität einer Prüfung bestimmt sich wesentlich aus der wechselseitigen Abstimmung von Lernzielen, Lehr-/Lernaktivitäten in der Veranstaltung und Prüfungsaufgaben (constructive alignment, Biggs 1999). Eine Prüfung sollte so zusammengestellt werden, daß sie die Lernziele der Veranstaltung in adäquater Weise und in adäquaten Anteilen erfasst. Sinnvoll ist, die Fragen dazu nach dem kognitiven Prozess und ggf. zusätzlich nach der Wissensdimension zu kategorisieren. Die Tabellen zeigen Kompetenzstufenmodelle unterschiedlicher Komplexität mit beispielhaft festgelegten Anteilen der Lernzielkategorien.

Modell 1 (nach Metzger 1993)

Kognitiver
Beitrag:
Informationserinnerung
(erkennen, wiedergeben)
Informationsverarbeitung
(verstehen, anwenden, analysieren)
Informationserzeugung
(bewerten, erzeugen)
Soll: 30% 40% 30%

Modell 2 (nach Bloom 1956)

Lernziel Wissen Verständnis Anwendung Analyse Synthese Bewertung
Soll: 30% 20% 20% 10% 10% 10%

Modell 3 (nach Anderson & Krathwohl 2001, modifiziert)

Wissens-
dimension
Kognitiver Prozess
Erinnern Verstehen Anwenden Analysieren Bewerten Erzeugen Soll:
Fakten Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel 20%
Konzepte Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel 50%
Prozeduren Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel Beispiel 30%
Soll: 30% 20% 20% 10% 10% 10%  

In Anlehnung an Hofmeister (2005) wurde im Sinne einer erleichterten Anwendungung auf Klausurfragen das Metakognitive Wissen als vierte von Anderson & Krathwohl (2001) festgelegte Wissensdimension im dargestellten Modell weggelassen.

Achtung: Die Kategorisierung von Prüfungsfragen kann nicht allein an Hand der Fragestellung vorgenommen werden, sondern muss auch das vorgelagerte Lerngeschehen berücksichtigen. Bsp: Eine Frage, die den Teilnehmern zuvor bekannt war (Verwendung in Übungen und Tutorien, bei früheren Prüfungen entwendet) prüft ggf. nur die Reproduktion von auswendig gelerntem Wissen. Ist das in der Frage verwendete Beispiel dagegen neu, werden mit dieser höhere kognitive Leistungen wie der Transfer auf analoge Handlungssituationen gefordert. Ist der dargestellte Sachverhalt an sich neu, werden mit dieser Frage evtl. auch komplexes Anwenden, Reflektion und Bewertung gefordert.

Das Antwort-Wahlverfahren sowie automatisch auswertbare Eingabefeldern für Zahlen und Texte eignet sich für alle Fragen mit eindeutig festlegbaren Antworten bzw. Lösungsmengen. Für kreative Leistungen bzw. individuelle Antworten auf den Ebenen „Bewerten“ und „Synthese“ muss die Prüfung durch offene Fragen (z.B. Essay, Freihandzeichnung, Softwareanwendung, Simulation) ergänzt werden.


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