Rechtsfragen bei E-Klausuren

Bitte Haftungsausschluss beachten

Prüfungsordnung

Laut Allgemeinen Teil der Bachelor-Prüfungsordnung der Universität Bremen (Fassung vom 27. Januar 2010) sind für Klausuren das Antwort-Wahlverfahren und die elektronische Form zulässig.

§8 (4) Eine Klausur ist eine unter Aufsicht anzufertigende Arbeit, in der vorgegebene Aufgaben allein und selbstständig nur mit den zugelassenen Hilfsmitteln zu bearbeiten sind. Die Dauer einer Klausur beträgt mindestens 45 und höchstens 180 Minuten. Die fachspezifische Prüfungsordnung kann eine andere Regelung vorsehen. Klausuren können auch in Form von Antwort-Wahl-Verfahren durchgeführt werden. In diesem Fall sind in der fachspezifischen Prüfungsordnung Regelungen über die Tätigkeit von Prüfungsausschuss und Prüfenden bei der Aufgabenerstellung sowie über die Bestehensvoraussetzungen und Notenvergabe zu treffen. Eine schriftliche Prüfung kann auch in elektronischer Form abgenommen werden. Den Studierenden wird vor der Prüfung ausreichend Gelegenheit gegeben, sich mit dem elektronischen Prüfungssystem vertraut zu machen. Datenschutzrechtliche Bestimmungen sind einzuhalten.

Detailliertere Bestimmungen zum Antwortwahlverfahren und zu den E-Klausuren finden sich in den fachspezifischen Prüfungsordnungen, z.B. in der Bachelorprüfungsordnung der Betriebswirtschaftslehre (dargestellt sind modifizierte Auszüge aus Anlage 4, siehe Haftungsausschluss):

Antwortwahlverfahren:

  • Prüfungen im Antwort-Wahlverfahren sind dann zulässig, "wenn sie dazu geeignet sind, den Nachweis zu erbringen, dass die Prüfungskandidatin oder der Prüfungskandidat die Inhalte und Methoden des Moduls in den wesentlichen Zusammenhängen beherrscht und die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten anwenden kann."
  • Das Bewertungsschema ist vorab festzulegen, der Abzug von Teilpunkten innerhalb einer Frage im Antwortwahlverfahren ist zulässig.
  • Eine Zufallsauswahl aus einem Pool gleichwertiger Prüfungsfragen ist zulässig, sofern die Gleichwertigkeit sichergestellt ist.
  • Bei Prüfungen im Antwortwahlverfahren liegt die Bestehensgrenze bei 50% der erreichbaren Punkte. Falls die durchschnittliche Prüfungsleistung aller Kandidaten unter 50% liegt, greift die relative Bestehensgrenze, bei der die Klausur auch dann bestanden ist, wenn die erreichte Punktzahl nicht mehr als 15% unter der durchschnittlichen Prüfungsleistung liegt.
  • Fragen, die sich nach der Prüfung als fehlerhaft erweisen sind nachzubewerten oder ganz aus der Wertung zu nehmen.

E-Klausuren:

  • Eine „e-Klausur“ ist eine Prüfung, deren Erstellung, Durchführung und Auswertung computergestützt erfolgt.
  • Diese Prüfungsform ist zulässig, sofern sie dazu geeignet ist nachzuweisen, dass die Kandidaten die Inhalte und Methoden des Moduls in den wesentlichen Zusammenhängen beherrschen und die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten anwenden können. Erforderlichenfalls kann sie durch andere Prüfungsformen ergänzt werden.
  • Die „e-Klausur“ ist in Anwesenheit einer fachlich sachkundigen Person (Protokollführerin oder Protokollführer) durchzuführen.
  • Alle Daten müssen eindeutig und dauerhaft den Kandidaten zugeordnet werden.
  • Die Einsicht muss gewährleistet sein.
  • Aufgabenstellung, Musterlösung, Bewertungsschema, Ergebnisse und die Niederschrift sind gemäß den gesetzlichen Bestimmungen zu archivieren.


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Anmeldung und Authentifizierung der Prüflinge sowie eindeutige Zuordnung der Prüfungsdaten

Anmeldung (z.B. über das ZPA) und Authentifizierung zum Prüfungszeitpunkt (z.B. über Ausweiskontrolle und Abgleich mit dem nach dem Einloggen am Bildschirm angezeigten Namen) erfolgen analog zu schriftlichen Prüfungen gemäß den Regelungen des betreffenden Studiengangs. Die Teilnehmer werden vom ZMML entsprechend der von den Prüfungsverantwortlichen bereitgestellten Listen für die betreffenden Prüfungsteile im Prüfungssystem registriert und zum Zeitpunkt der Prüfung freigeschaltet. Nachregistrierungen zum Prüfungsstart erfolgen nur in Absprache mit Prüfungsamt bzw. Prüfungsverantwortlichen. Als Identifikationsmerkmale dienen Name und Matrikelnummer, diese ID ist in der zugrunde liegenden Datenbank unveränderlich allen Prüfungsdaten (Aktionen, Ergebnisse, Protokolle) zugeordnet. Administrative Eingriffe nach der Prüfung sowie deren Verlauf, z.B. von Nachbewertungen, werden automatisch dokumentiert.
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Durchführung

Technische Störungen an einzelnen Arbeitsplätzen dürfen sich nicht zum Nachteil der Studierenden auswirken. Das Prüfungsystem gewährleistet den reibungslosen Wiedereinstieg an einem Ersatzrechner unter Gutschrift der seit dem letzten Fragenwechsel verstrichenen Zeit. Die Ladezeiten beim Fragenwechsel werden grundsätzlich bei jeder Prüfung vom System gutgeschrieben. Eine individuelle oder globale Verlängerung der Prüfungsszeit ist möglich. Bei schwerwiegenden Störungen (z.B. bei Stromausfall) kann der Prüfungsauschuss eine Wiederholung der Prüfung beschließen.

Mangels Netzwerk- und Internetzugang (sofern nicht ausdrücklich zugelassen) und mittels eingeschränkter Nutzerrechte an den Arbeitsstationen besteht bei E-Klausuren gegenüber schriftlichen Prüfungen keine erhöhte Gefahr von Täuschungsversuchen. Abschreiben, unerlaubte Hilfmittel, Kommunikation mit Nachbarn oder das Fotografieren von Prüfungsfragen müssen, wie bei schriftlichen Prüfungen, durch eine effiziente Aufsichtsführung und die in der Prüfungsordnung festgelegten Sanktionen (s. §18 AT BPO) eingeschränkt werden.
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Prüfungsgerechtigkeit

Der Grundsatz der Chancengleichheit bzw. das Gleichbehandlungsgebot bei Prüfungen lässt sich bei E-Klausuren sehr gut gewähleisten. Dies betrifft sowohl die Durchführung mit exakt gesteuerter Bearbeitungszeit, identischen Prüfungsbedingungen im Testcenter und identischen Hilfsmitteln (z.B. elektronische Anlagen, eingebauter Taschenrechner etc.) als auch die Bewertung, die bei geschlossenen Fragen ohne Ansehen der Person zuverlässig und objektiv erfolgt. Fehlerhafte Fragen (z.B. falsche Programmierung, unverständliche Fragestellung), die trotz Qualitätskontrolle in der Prüfung auftreten sollten, lassen sich über die Nachbewertungsfunktionen des Prüfungssystems schnell und für alle Teilnehmer identisch durchführen. Für Kandidaten, die einen Nachteilsausgleich beantragt haben (z.B. bei Sehbehinderungen) kann die Prüfungszeit individuell verlängert werden. Sehbehinderte erhalten außerdem die Möglichkeit, an größeren Monitoren mit einer Bildschirmvergrößerungssoftware zu arbeiten. Weitere Eingabehilfen können bei Bedarf installiert werden.
Unterschiedliche PC-Kenntnisse, z.B. hinsichtlich der Tippgeschwindigkeit, sind, wie die Schreibgeschwindigkeit bei handschriftlichen Prüfungen, als unvermeidbar hinzunehmen und bedeuten keine Beeinträchtigung des Grundsatzes der Chancengleichheit.
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Bewertung

Anders als bei schriftlichen Prüfungen wird bei geschlossenen Fragen in E-Klausuren das Bewertungsschema von den Prüfungsverantwortlichen für jede Frage vorab festgelegt und bei Abgabe der Prüfung vom Prüfungssystem direkt angewendet. Hierzu werden in der fachspezifischen Prüfungsordnung (siehe oben) entsprechende Regelungen getroffen. Teilbewertung und Punktabzug für falsche Antwort-Teile innerhalb einer Frage sind zulässig, der Übertrag von Minuspunkten auf die Gesamtprüfung dagegen nicht. Pro Aufgabe können also nicht weniger als 0 Punkte erreicht werden. Bei fehlerhaften Fragen (falsche Bewertung, mißverständliche Fragestellung, nicht gegebene Gleichwertigkeit bei Zufallsauswahl etc.) können die betroffenen Fragen nachbewertet, vollständig aus der Wertung ausgeschlossen oder für alle Kandidaten mit voller Punktzahl bewertet werden. Ein generell schlechtes Abschneiden bei einer Frage ist dabei jedoch nicht als Fehler zu werten. Liegt bei Prüfungen im Antwort-Wahl-Verfahren der Durchschnitt der erreichten Punkte unter der in der fachspezifischen Prüfungsordnung festgelegten Bestehensgrenze wird zur Wahrung der Rechtssicherheit eine relative Bestehensgrenze festgelegt.
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Datenschutz und Archivierung

Das vom ZMML angebotene E-Klausur-System (LPLUS Teststudio der LPLUS-GmbH Bremen) dient auschließlich der Erstellung, Durchführung, Nachbewertung und Auswertung der Prüfungen. Die Erhebung von personenbezogenen Daten erfolgt ausschließlich zu den genannten Zwecken und unterliegt der DV-Satzung der Universität Bremen. Prüfungsverantwortliche erhalten einen geschützten Zugang zum Prüfungsystem; über ein rollenbasiertes Rechtesystem können sie dabei nur Daten ihrer eigenen Prüfungen und Kandidaten einsehen. Vom ZMML werden Prüfungsdaten ausschließlich an dazu autorisierte Personen über geschützte Dateiaustauschsysteme weitergegeben, es übernimmt keine Verantwortung bei der Archivierung und Verwaltung! Die Verwaltung und Archivierung von Prüfungsarbeiten obliegt in der Regel den Prüfungsverantwortlichen, die Verwaltung und Archivierung der Ergebnisse den Prüfungsämtern. Die aktuellen Aufbewahrungsfristen können dem Amtlichen Mitteilungsblatt Nr. 3 des Kanzlers vom Juni 2010 entnommen werden. Für die Prüfungsarbeiten, also der PDF-Ausgabe der Klausurbögen mit Fragen, Antworten, Musterlösung und Bewertung, gilt aktuell eine Frist von 2 Jahren, beginnend mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Prüfungsakte geschlossen wurde.
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Weitere Informationen des elan e.V zu Rechtsfragen im E-Assessment

Haftungsausschluss
Vorsorglich wird darauf hingewiesen, dass die Übertragbarkeit der allgemeinen Ausführungen auf der Internetseite www.eAssessment.uni-bremen.de in jedem Einzelfall in der Prüfungsverantwortung des Anwenders liegt. Weder die Autoren noch das ZMML kann mit der Zusammenstellung von Informationen eine Gewähr oder Haftung für die individuelle rechtliche Tragfähigkeit der von Anwendern umgesetzten Lösungen im Einzelfall übernehmen. Die Ausführungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Aktualität und ersetzen nicht die Notwendigkeit, sich bei konkreten rechtlichen Fragen an die zuständige Stellen der Hochschule zu wenden oder von einem/er Rechtsanwalt/wältin beraten zu lassen. Siehe auch Haftungsausschluss für das Online-Angebot der Universität Bremen.
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